Man muss die Vergangenheit kennen, um die Zukunft zu gestalten

Man muss die Vergangenheit kennen, um die Zukunft zu gestalten

Die SMV der FOSBOS Amberg lädt im Rahmen von SOR-SMC (Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage) den Zeitzeugen Thomas Lukow zu den Themen „Die MfS-Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen und die operativpsychologische Bearbeitung” sowie “Das Ministerium für Staatssicherheit” ein. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler der FOSBOS und der Staatl. Technikerschule nehmen daran teil.

Für viele Jugendliche liegt es schon weit zurück und ist Geschichte von Gestern: die Teilung Deutschlands und das Nebeneinander zweier komplett unterschiedlicher politischer und gesellschaftlicher Systeme während des Kalten Krieges.

Umso wichtiger sind neben dem Geschichtsunterricht die Zeitzeugen, die über ihre Erfahrungen mit dem System der ehemaligen DDR erzählen.

Herr Lukow, Jahrgang 1959, in Potsdam und Ostberlin aufgewachsen, ist genau ein solcher Zeitzeuge. Ihm ist es wichtig, über den Sozialismus der DDR zu berichten und aufzuklären. „Nur mit Wissen kann man jeglicher Verklärung der DDR vorbeugen.“

Denn wie merkt man, dass man eigentlich in einer Diktatur lebt? In den Mathematikbüchern sind Panzer abgebildet und der Staat möchte nicht wirklich, dass man autonom und frei denkt. 

Bis zu seinem 18. Lebensjahr durchlief Herr Lukow auch den typischen – eigentlich vorgezeichneten Lebensweg – der DDR-Jugend als Jugendpionier und FDJ-Mitglied. Neben Heavys, Poppers, Tramps - wie die Anhänger diverser Musikrichtungen genannt wurden – wuchs er auf der für seinen Staat richtigen Seite des „antifaschistischen Schutzwalls“ auf. Allerdings liebte er die Musik, war Mitglied einer eigenen Band und kam aufgrund der von ihm geschriebenen Liedertexte und der dahinter vermuteten Einstellung bald in die Observation durch die Stasi. Dazu verliebte er sich in eine Frau. Das Problem: sie kam aus West-Berlin, war Israelin und durfte später nicht mehr in die DDR einreisen. Also plante er die Flucht. Herr Lukow verkaufte sein Klavier und alles andere, allerdings wurde er bereits seit längerem von „Stasi-Spitzeln“ beobachtet. Als er letztlich von Prag aus in den Westen flüchten wollte, schlug die Staatsmacht zu und er wanderte zunächst in das Untersuchungsgefängnis der Stasi in Berlin-Hohenschönhausen. Später, als er wegen versuchter Republikflucht zu 20 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden war, lernte er noch das Gefängnis Bautzen II kennen.

Im Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen sah er fünf Monate lang außer den vernehmenden Beamten keine anderen Menschen. Er sollte das Gefühl haben, er sei ganz alleine. Ziel war demnach die Entpersonalisierung: keiner hatte einen Namen, es gab nur eine Zellnummer, der man zugeordnet war. Auch die Verhöre waren psychologisch durchdacht. So klingelte während eines Verhörs das Telefon des Beamten, der mehrmals deutlich eine bestimmte Adresse wiederholte. Herr Lukow, der mithörte, wusste, dass dort seine Freundin wohnte. Durch diese Art der Vernehmung sollte er veranlasst werden, ein Geständnis abzulegen. Noch heute kämpfen viele ehemalige Insassen mit den psychologischen Folgen ihrer Gefangenschaft.

Herr Lukow nicht. Er kämpft vielmehr darum, die Jugendlichen über die damalige DDR-Diktatur aufzuklären und postuliert immer wieder, dass die eigene Meinungsbildung und Selbstbestimmung wesentliche Voraussetzungen von Freiheit und Demokratie seien. „Schalten Sie Ihren Verstand ein, damit nicht wie in anderen Staaten der Welt, wieder ein Unrechtsstaat an die Macht kommt. Man muss die Vergangenheit kennen, um die Zukunft zu gestalten!“ 

SMV FOSBOS

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