Über Little Berlin nach Big Berlin!

Vom 10.10. bis 14.10.2016 besuchten 40 Schülerinnen und Schüler der 12. und 13. Klassen der FOS/BOS Amberg gemeinsam mit vier Lehrkräften Berlin.

1. Tag (10.10.2016)
Schon früh am Morgen brachen wir Richtung Berlin auf. Wir fuhren jedoch nicht direkt an unser Ziel, sondern legten einen Stopp in Mödlareuth ein, wo wir eine Führung ent­lang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze erhielten.
Das unter „Little Berlin“ bekannte Dorf erinnert mit seiner Gedenkstätte und seinem Museum an die Geschichte der deutschen Teilung. Mödlareuth wurde nach dem 2. Weltkrieg entlang des Tannbaches in Ost und West geteilt. Die Grenze zu über­schrei­ten war auf legale Art und Weise unmöglich, sogar Winken oder Grüßen war strengstens verboten. Obwohl viele versuchten Republikflucht zu begehen, ge­lang nur einem mit Hilfe einer selbstgebauten Eisenleiter die Flucht über die Mauer. Letztendlich dauerte dieser Grenzzustand 23 Jahre an. Am 17. Juni 1990 wurde die trennende Mauer im Ortskern niedergerissen, wobei zugleich die Idee entstand, ein Museum zu errichten.
Noch heute sind viele Bestandteile von der Zeit der Teilung erhalten, wie beispiels­wei­se Teile der 700 m langen Betonsperrmauer oder der originale Beobachtungs­turm. Nach der Führung setzten wir unser Reise fort und erreichten schließlich am späten Nachmittag unser Hotel in Berlin Mitte. Die Zimmer wurden belegt und den Rest des Tages hatten wir Zeit, Berlin zu erkunden.
 
 
2. Tag (11.10.2016)
Am Vormittag nahmen wir die öffentlichen Verkehrsmittel um zum Dokumenta­tions­zen­trum „Der historische Ort: Topografie des Terrors“ zu gelangen. An diesem Ort befand sich früher das Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei. Heute findet man dort zahlreiche Ausstellungen, sowohl im Gebäude als auch außer­halb. Wir wurden in drei Gruppen eingeteilt und aufgrund der schlechten Wit­te­rung nur durch die Aus­stellung im Gebäude geführt.
Die zentralen Themen der Dauerausstellung sind die Institutionen von SS und Polizei im Dritten Reich sowie die von diesen europaweit verübten Verbrechen. Chronologisch wurden wir durch die Ausstellung geführt. Begonnen haben wir mit der nationalsozialistischen Machtübernahme, danach folgten die Institutionen des Terrors, der Terror, die Verfolgung und Vernichtung im Reichs­gebiet, die SS und das Reichs­sicherheitshauptamt in den besetzten Gebieten und zuletzt das Kriegsende sowie die Nachkriegszeit. Nach der Führung blieb uns noch Zeit, die Ausstellung auf eigene Faust zu erkunden und auch unsere Lehrer gaben sich große Mühe, noch unbeantwortet gebliebene Fragen zu beantworten.
Nachmittags wartete eine dreistündige Stadtrundfahrt auf uns, die jedoch aufgrund der Tatsache, dass unsere Stadtführerin es verstand, uns zu unterhalten, sehr kurzweilig war. Wir bekamen viele bekannte Sehenswürdigkeiten, verbunden mit interessanten Informationen, zu Gesicht. Der Abend stand uns wieder zur freien Gestaltung. Von Diskobesuchen, über gemütliches Zusammensitzen im Hotel bis hin zum nur einmal im Jahr stattfindenden „Festival of Lights“, war alles vertreten.
 
3. Tag (12.10.2016)
Früh fuhren wir nach Potsdam, wo uns eine Stadtführung erwartete. Dank unseren beiden Stadtführern und unserem Busfahrer ergab sich die Möglichkeit, aus dem eigentlich geplanten Stadtrundgang eine Stadtrundfahrt mit ein paar Ausstiegen zu machen. So konnte uns auch der Regen nichts anhaben. Wir wurden also durch wunderschöne Orte in Potsdam geführt, wobei sich natürlich jeder für die gigan­tischen Villen begeistern konnte. Auch das schöne Holländerviertel war Teil unserer Tour. Sogar die Villa von Günther Jauch wurde uns gezeigt. Nachdem wir noch durch einen Park gelaufen waren, nahm uns unser Busfahrer auf und fuhr uns zum Schloss Sansoucci. Dort angekommen, wurden wir wieder in zwei Gruppen aufgeteilt und durften als Erstes die Außenanlage des Schlosses besichtigen. Der preußische König Friedrich II. ließ das Schloss 1745 errichten. Aufgrund der für ein Schloss eher be­scheidenen Größe dauerte die Bauzeit nur knapp zwei Jahre. Im Inneren des Schlos­ses Sansoucci brachten uns kunstvoll gestaltete Räume zum Staunen. Abgerundet wurde unser Aufenthalt durch einen Spaziergang  durch den dazugehöri­gen Park, der ebenfalls sehr stilvoll angelegt ist. Ein rundum gelungener Tag in Potsdam!
 
 
4. Tag (13.10.2016)
Tags zuvor teilten uns unsere Lehrer mit, dass wir den Vormittag für einen Museums­besuch nutzen sollen, welches Museum wir besuchen, blieb uns überlassen. Unsere Auswahl war sehr breitgefächert. Vom Naturkundemuseum bis hin zu einem Compu­ter­spielemuseum war alles mit dabei.
Am Nachmittag, um 16 Uhr, war der Besuch im Deutschen Bundestag angesetzt. Bevor wir Zutritt erhielten, wurden wir wie an einem Flughafen kontrolliert. Im Plenar­saal angekommen, durften wir oben auf den Besucherrängen Platz nehmen und erhielten einen interessanten Vortrag sowohl über die Geschichte des Bundestags als auch über die dort amtierenden Politiker. Die Schwindelfreien unter uns hatten danach die Möglichkeit, auf die Glaskuppel hinauf zu fahren. Trotz des schlechten Wetters bot sich uns ein atemberaubender Blick.
 
 
5. Tag (14.10.2016)
Von Berlin sichtlich gerädert ging es auf zum ehemaligen Stasigefängnis Hohen­schön­hausen. Dieser Ort dient heute als Gedenkstätte und Erinnerungsort, bestehend aus der damaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt der Staats­sicher­heit der DDR, welche von 1951 bis 1990 genutzt wurde. Überwiegend politische Gefangene saßen hier ein und wurden physisch als aus psychisch gefoltert. Das Gebiert war auf Stadtplänen nicht verzeichnet und Häftlinge wurden nie auf direktem Wege nach Hohenschönhausen gebracht. Während der eineinhalbstündigen Führung erfuhren wir, dass dies dazu diente, den Menschen die Orientierung zu nehmen. Wir besichtigten auch das Gefängnis namens „U-Boot“, dessen Namen auf seine 60 unterirdischen und fensterlosen Zellen zurückführen ist. Die Zellen waren unbeheizt und feucht und das Inventar bestand nur aus einer Holzpritsche und einem Eimer, außerdem brannte Tag und Nacht das Licht. Jeder Inhaftierte wurde regelmäßig verhört. Um die Menschen zum Reden zu bringen, wurden unmenschliche Methoden wie Schlafentzug oder stundenlanges Stehen angewandt.
 
 
Auch den Neubau durften wir erkunden. Dort waren die Haftbedingungen deutlich bes­ser als im U-Boot. Des Weiteren wurde die physische Folterung durch die psy­chische ersetzt. Darunter fielen Isolationshaft oder die Ungewissheit über das Befinden von Familienangehörigen. Durch technische Vorrichtungen, wie beispiels­wei­se das Ampelsystem, mit welchem man ganze Gänge sperren konnte, verhinderte man, dass sich Häftlinge begegneten. Dieses System konnten wir, genauso wie komplett möblierte Verhörzimmer und Zellen, betrachten. Insgesamt wurden in Hohenschönhausen mehr als 10.000 Inhaftiere gepeinigt, bevor die Haftanstalt am 2. Oktober 1990 offiziell geschlossen wurde. Wir alle waren sehr schockiert über die Schicksale der Häftlinge. Nach diesem hochinteressanten letzten Programmpunkt traten wir die Heimreise nach Amberg an, wo wir gegen 19 Uhr wohlbehalten anka­men.
 
Tina Brendel und Kathrin Schüßlbauer, FW13