Abi 2020 im Schatten von Corona

Abi 2020 im Schatten von Corona

Jahr für Jahr sehen sowohl die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen als auch die Lehrkräfte der stetig näherkommenden Abiturprüfung mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits ist ein Ende des Lernmarathons abzusehen und für die Prüflinge steht der Start in einen neuen Lebensabschnitt kurz bevor. Andererseits gehen wohl so manchem Gedanken der Unsicherheit durch den Kopf: Wie anspruchsvoll werden die Aufgaben der Abschlussprüfungen sein? War die Vorbereitung ausreichend?

Nun sind derartige Zweifel oder ein gewisses Maß an Nervosität nichts Verwerfliches, ganz im Gegenteil. Doch im laufenden, von der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden wochenlangen Schulschließung, der Phase des Online-Unterrichts, dem Wegfall von zahlreichen Leistungserhebungen, der Einhaltung einer ganzen Reihe von Regeln nach der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts u.a.m. geprägten Schuljahr ist die Situation eine gänzlich andere. Trotz der Verschiebung der Abschlussprüfungen auf Mitte Juni konnte von einer geregelten Vorbereitungsphase nur sehr bedingt die Rede sein. Geteilte Klassen, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte mit Mund-Nasen-Schutz oder das Abstandsgebot bestimmten die letzten Schultage der Abschlussklassen.

Unter diesen „einzigartigen“ Vorzeichen begann für rund 290 Absolventinnen und Absolventen der FOSBOS Amberg am Donnerstag mit der Abschlussprüfung im Fach Deutsch das „Unternehmen (Fach)abitur“. Das Ziel der fachgebundenen bzw. allgemeinen Hochschulreife fest vor Augen, hatten die 65 Schülerinnen und Schüler der 13. Klassen ab 8 Uhr morgens eine von vier unterschiedlichen Aufgabenarten zu bearbeiten. Erstmalig kam dabei das neue Format der Abschlussprüfung auf Basis des Lehrplans PLUS zur Anwendung.

Zur Auswahl standen neben der argumentativen Auseinandersetzung mit Chancen bzw. Gefahren kultureller Aneignung noch die Analyse des Gedichts „Andere Erde“ von Christoph Meckel sowie die Interpretation eines epischen oder dramatischen Textes in Gestalt eines Ausschnitts aus dem Roman „Faserland“ von Christian Kracht bzw. eines Auszugs aus Franz Grillparzers Trauerspiel „Die Jüdin von Toledo“. Zusätzlich mussten seitens der SchülerInnen bei der Bearbeitung der einzelnen Themen noch unterschiedlichste Zusatzmaterialien berücksichtigt werden.

60 Minuten später starteten dann auch die 12. Klassen in ihre finale Deutschprüfung. Auf die angehenden FachabiturientInnen wartete entweder das Verfassen eines argumentativen Textes in Form einer Erörterung bzw. eines Kommentars zur Verrohung des Kommunikationsverhaltens in unserer Gesellschaft oder aber die Auseinandersetzung mit einem Auszug aus der Novelle „Eine blaßblaue Frauenschrift“ von Franz Werfel bzw. mit einer Szene aus dem Drama „Mutter Kramers Fahrt zur Gnade“ aus der Feder von Christoph Nußbaumeder. Auch hier stellte die Auswertung und gekonnte Einarbeitung weiterer Materialien eine zusätzliche Herausforderung dar.

Ihre Fortsetzung finden die Prüfungen dann freitags mit dem Fach Englisch. Nach einer kurzen, durch das Wochenende bedingten Erholungsphase beschließen die Abschlussprüfungen in Mathematik am Montag sowie im profilgebenden Fach der jeweiligen Ausbildungsrichtung, also Gesundheitswissenschaften, Pädagogik und Psychologie, Physik oder Betriebswirtschaftslehre, am Dienstag dann den Reigen der schriftlichen Examina.

Ihre rhetorischen Fähigkeiten in der englischen Sprache konnten die Schülerinnen und Schüler sämtlicher Abschlussklassen bereits vor den Pfingstferien im Rahmen einer mündlichen Gruppenprüfung unter Beweis stellen.

In der zweiten Julihälfte markieren dann die optionalen mündlichen Einzelprüfungen in maximal zwei Fächern das Ende des Prüfungsmarathons.

Christoph Wagner

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