Eine andere Zeit, ein anderes Leben

Eine andere Zeit, ein anderes Leben

Auf Einladung von Eva Scharl führte Ernst Grube, Zeitzeuge für die Judenverfolgung im Nationalsozialismus, ein Gespräch mit interessierten Schülerinnen und Schülern der Berufsintegrationsklassen an der Staatlichen Berufsschule Amberg.

„Ihr kommt hier her und erwartet euch viel, habt Hoffnung, aber auch wir haben eine Geschichte, die Einfluss nimmt auf das Heute und Morgen.“ Mit diesen Worten begrüßte Ernst Grube zwei Berufsintegrationsklassen (BIK). 

Zu Beginn erzählte Herr Grube, der 1932 als zweites von drei Kindern einer jüdischen Mutter und eines nicht-jüdischen Vaters geboren wurde, von der Zeit des Nationalsozialismus sowie seiner Kindheit in München. Aus dieser Zeit stammen auch Erfahrungen mit jüdischen Bräuchen, wie das Lichterfest Chanukka, welche tief in seiner Erinnerung verankert sind. Anschaulich erzählte Herr Grube vom jüdischen Leben in München, aber auch von der Deportation in Lager, wie es nur jemand kann, der es selbst miterlebt hat.

Heutzutage wird es immer schwerer, einen Überlebenden aus dieser dunklen Zeit der deutschen Geschichte zu finden. Dass die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit zu schätzen wussten, merkten Referent und Lehrkräfte an dem sehr lebhaften Gespräch, dass sich schnell zwischen Herrn Grube und den anwesenden Klassen entwickelte. Die Schülerinnen und Schüler aus acht verschiedenen Ländern waren sehr an Herrn Grubes Erzählung interessiert und von ihr berührt. Gerade die Diskriminierung und der Hass gegen Juden erzeugte mehrfach Nachfragen, aber auch sein persönliches Schicksal im Kinderheim bewegte die Jugendlichen. Besonders die Isoliertheit, die Trennung von den Eltern und die Abwesenheit jedweder Freundschaft – außer die der Leidensgenossen im Kinderheim, die jedoch durch Deportationen in den Tod jäh beendet wurde - rührte alle Anwesenden.

In der NS-Zeit war Herrn Grube eine Schulbildung untersagt geblieben. Doch die Tatsache, dass er nach dem Krieg mit 40 Jahren seine Bildung selbst in die Hand nahm, indem er auf die Abendschule ging um Lehrer zu werden, machte Eindruck auf die Schülerinnen und Schüler, die selbst die unterschiedlichsten Bildungshintergründe haben.

Zum Schluss betonte der Referent den Grund, warum er sich auf den Weg nach Amberg gemacht hatte und warum er oft an Schulen oder auch zu anderen Veranstaltungen reist. Er erzählt über die Vergangenheit und bemüht sich, die Erinnerung daran wach zu halten. Er gedenkt damit seinen verstorbenen Freunden aus dem Kinderheim und Verwandten und erinnert, um andere zu informieren, zum Nachdenken anzuregen und keinen Platz für Diskriminierung zu schaffen.

Eva Scharl

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