"Stellt euch vor ... wir fänden uns im Mittelalter wieder!"

"Stellt euch vor ... wir fänden uns im Mittelalter wieder!"

„Stellt euch vor, es gäbe keine Handys, kein Internet, keine Elektrizität. Wir fänden uns im Mittelalter wieder.“

Mit diesem zum Nachdenken anregenden Satz wurde es dunkel im Stadttheater Amberg, während sich auf der Bühne schemenhafte Gestalten einfanden. Das anfängliche Tuscheln im Saal erstarb und alle Augen richteten sich auf die Bühne, fragend, was passieren wird, nichtahnend, wie brutal das Stück „Richard III“ aus Shakespeares Feder, eingeleitet werden würde. Kampfgeschrei durchriss die Stille, mit Pelzmänteln und schweren Lederstiefeln gekleidete Männer fielen auf der Bühne übereinander her – bis ein Kopf rollte.

Der Protagonist Richard, gespielt von Max Tidof, stand im Rampenlicht und faszinierte von der ersten Sekunde an. Wer an diesem Charakter etwas Gutes suchte, suchte vergeblich. Richard verkörperte sämtliche Abgründe menschlichen Handels und Daseins – allen voran Habgier. Über drei Stunden hinweg spann er Intrigen, ließ jeden, der sich ihm in den Weg stellte, achtlos ermorden und verfolgte sein großes Ziel, König zu werden, ohne Rücksicht auf Verluste – bis hin zum eigenen Tod.

Gekonnt umgesetzt und mit Bravour zu betrachten war die schauspielerische Leistung jedes einzelnen Darstellers, die die Zuschauer ins Geschehen hineinzog.

Hervorzuheben ist an dieser Stelle auch die perfekt gewählte Garderobe der Schauspieler, die Elemente moderner Trends mit ledernen Elementen, die mich sofort an Steampunk denken ließen, vereinte. Die Kombination aus Mittelalter und Neuzeit, eine Mischung, die scheinbar fern liegt, aber doch erschreckende Parallelen sichtbar machte, verleitete zum Nachdenken.

Denn was wäre denn, wenn wirklich alle Technologie ausfiele? Würden Tyrannen wie Richard die Macht übernehmen oder hätten wir mehr Glück? Ich kann dazu nur eines sagen: Ich hoffe, wir werden es nie herausfinden.

Milena Felkl, FS13

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