Besuch der Justizvollzugsanstalt: das Leben im Gefängnis

Besuch der Justizvollzugsanstalt: Das Leben im Gefängnis

Vor einiger Zeit besuchte die Klasse FS11d im Rahmen der fachpraktischen Ausbildung die Justizvollzugsanstalt Amberg. Die Vollzugsanstalt Amberg ist für die Vollstreckung von Freiheitsstrafen bis zu sechs Jahren und bei zwei Gerichtsbezirken bis zu lebenslangen Freiheitsstrafen an männlichen erwachsenen Verurteilten im Regelvollzug zuständig.

Der Einzugsbereich erstreckt sich auf die Landgerichtsbezirke Amberg, Bamberg, Bayreuth, Coburg, Deggendorf, Hof, Nürnberg, Fürth, Passau, Regensburg, Schweinfurt und Weiden. Die Untersuchungshaft wird für die Amtsgerichtsbezirke Amberg und Schwandorf vollzogen.

Das Gefängnis verfügt über insgesamt 589 Haftplätze. Davon sind 339 Einzelzellen und 250 Gemeinschaftshaftplätze. Zurzeit gibt es etwa 530 Inhaftierte. Die Durchschnittsbelegung im Jahr 2015 betrug 552 Gefangene.

Neben zwei großflächigen Arbeitsbetriebsgebäuden, Verwaltungseinheiten und Außensiche-rungsanlagen gliedert sich die Anstalt in den Hauptbau, den alten und neuen Zellenbau, den Wohngruppenvolllzug mit 16 Haftplätzen, die sozialtherapeutische Abteilung mit Platz für 16 Sexual- und 16 Gewaltstraftäter und eine Abteilung für Suchtmittelgefährdete mit 23 Haftplätzen. Zusätzlich gibt es eine Bibliothek mit etwa 12.000 Büchern, eine Anstaltskirche für Gottesdienste und eine modern ausgestattete Krankenabteilung, die die ärztliche Behandlung der Inhaftierten gewährleistet.

Die Gefangenen können im Gefängnis arbeiten. Dies dient dem Ziel, Fähigkeiten für eine Erwerbstätigkeit nach der Entlassung zu vermitteln, zu erhalten und zu fördern. Die Anstalt bietet insgesamt ungefähr 300 Arbeitsplätze in Bäckerei, Gärtnerei, Malerei, Metzgerei, Schlosserei, Schneiderei, Schuhmacherei und Wäscherei sowie in einem Baubetrieb, einem Elektrobetrieb und einem Kfz-Betrieb.    

Die Gefangenen haben nicht nur die Möglichkeit, im Gefängnis zu arbeiten, sondern können auch eine Ausbildung als beispielsweise Bäcker, Elektroniker, Kraftfahrzeug-Mechatroniker, Koch, Maurer, Metallbauer, Metzger, Schneider oder Schuhmacher absolvieren. Zudem gibt es eine zentrale Ausbildungsstätte für Schreiner mit 12 Ausbildungsplätzen sowie für Maler und Lackierer mit 10 Ausbildungsplätzen.

Außerdem werden Bildungsmaßnahmen wie Kurse zum nachträglichen Erwerb des qualifizierenden Abschlusses der Mittelschule, Unterricht für Lese- und Rechtschreibschwache, Englischkurse für Anfänger und Fortgeschrittene, Kurse in Deutsch und Mathematik, Berufsschulunterricht, Berufsvorbereitungskurse und Computerkurse angeboten.

Neben der Arbeit und der Ausbildung bereichert die umfangreiche Freizeitgestaltung mit Sportarten wie Basketball, Handball, Tischtennis, Fußball, Volleyball, Badminton, Gymnastik, Krafttraining, Lauftraining und Leichtathletik den Alltag der Gefangenen. Auch Angebote wie Chor, Schach, Malen und Basteln werden gerne angenommen.

Bis zur Entlassung wird jeder Gefangene individuell in Beratungsgesprächen und Gesprächen in speziellen Problemsituationen betreut. Jeder der Insassen kann Gruppenangebote von Fachdiensten wie Gesprächs- und Diskussionsgruppen, Ehe- und Partnerschaftsseminare, soziales Training zur Entlassungsvorbereitung, Anti-Gewalt-Training, die Gruppe der anonymen Alkoholiker und die Drogengruppe in Anspruch nehmen.   

Im Gefängnis arbeiten circa 280 weibliche und männliche Angestellte, die die Beaufsichtigung, Versorgung, Behandlung und Betreuung der Gefangenen gewährleisten. Neben 169 Bediensteten des allgemeinen Vollzugsdienstes, 42 Bediensteten des Werkdienstes und 29 Bediensteten des Vollzugs- und Verwaltungsdienstes arbeiten 20 Bedienstete im Fachdienst. Darunter sind Psychologen, Sozialpädagogen, Lehrer, Geistliche, Ärzte und Krankenpfleger.

Fazit unseres Besuchs: Gefangene benötigen die Chance auf Ausbildung und Arbeit um sich nach ihrer Entlassung wieder in der Arbeitswelt eingliedern zu können und um sich auf ein straffreies Leben vorzubereiten.

Leo Nikol, FS11d

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