Besuch der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Besuch der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg

Als wir in Flossenbürg aus unseren Bussen ausstiegen, ließ sich nur ansatzweise erahnen, welch beispiellose Verbrechen hier einst an unschuldigen Menschen verübt wurden.

Von den damals unzähligen Häftlingsbaracken und SS-Unterkünften stehen heute nur noch die Häftlingsküche, die Wäscherei, die Kommandantur, sowie das SS-Casino, welches unsere erste Station war. Dort zeigte eine Schultheatergruppe aus Düsseldorf - "Die Gruppe aus 6" - mit ihrem Stück "Der Schlaf des Vergessens gebiert Ungeheuer", dass man gerade in der heutigen Zeit die schrecklichen Ereignisse von damals nicht vergessen darf.

Nach der Aufführung ging es vom Casino-Gebäude direkt zur ehemaligen Kommandantur, wo die eigentliche Führung durch das Gelände begann. War das kleine Dorf bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten für seine zahlreichen Steinbrüche und die mittelalterlichen Burgruine bekannt, diente es während der NS-Zeit nur noch der Profitgier der Nationalsozialisten. So verfolgten diese mit der Entstehung des Konzentrationslagers und der eigens dafür gegründeten "Deutschen Erd- und Steinwerke" neben der "Vernichtung durch Arbeit“ auch wirtschaftliche Ziele.

Während wir durch das mit Schnee überhäufte Gelände marschierten, wurde uns der Tagesablauf eines Häftlings näher gebracht. So begann der Tag bereits um 4:00 Uhr am Morgen, gefolgt vom Zählappell eine Stunde später. Danach arbeiteten die Inhaftierten 12 Stunden am Steinbruch. Unterbrochen wurde die Schicht durch eine einstündige Pause für das spärliche Mittagessen. Daraufhin mussten die Häftlinge wieder zum Zählappell antreten, was für gewöhnlich ca. eine Stunde dauerte. Sollte jedoch ein Häftling aufgrund eines Fluchtversuches nicht anwesend sein, konnte sich dieser Appell auch mal bis zu mehrere Stunden oder gar Tage hinziehen. So mussten in diesem speziellen Fall alle anderen Häftlinge bis zur Gefangennahme des Flüchtlings draußen in der Kälte stehen.

Wir betraten nach dem Gang durch das große Gelände, welches von Hügelketten mit zahlreichen verschneiten Bäumen umringt ist, die damalige Wäscherei. Das Gebäude wurde zum Museum umfunktioniert, welches die Chronik des Konzentrationslagers sowie die zahlreichen Schicksale der Insassen aufzeigt. Anfangs waren nur politisch Verfolgte zur Zwangsarbeit inhaftiert, mit der Zeit kamen Menschen aus den Ostblockstaaten (hauptsächlich Polen) sowie Franzosen und Italiener, aber auch andere Europäer hinzu. Das Konzentrationslager wurde von 1938 bis zur Befreiung durch die US-Soldaten 1945 für mehr als 100.000 Gefangene die Hölle auf Erden.

Zum Schluss führte man uns durch den Ehrenfriedhof Richtung Kapelle. 146 KZ-Häftlinge liegen dort begraben, was dementsprechend auch eine Rücksichtnahme auf die Totenruhe erfordert. Der Rundgang endete dort und hinterließ bei uns Schülern einen nachhaltigen Eindruck. Spätestens hier wurde klar, dass es wichtig ist, auch heute noch in den Köpfen der jungen Menschen ein Bewusstsein für diese schrecklichen Taten zu schaffen.

Stephan Geiselberger, BW13

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