Blick hinter die Mauern

Blick hinter die Mauern

Am 06. März 2018 besuchte die Klasse FW11d die Justizvollzugsanstalt Amberg. Den meisten Menschen bleibt – zum Glück - der Blick hinter die dicken Betonmauern des Amberger Gefängnisses verwehrt. Wir hatten jedoch die Chance, im Rahmen einer Führung eindrucksvolle Einblicke in das Leben hinter Gittern zu erhalten.

Nachdem wir aus sicherheitstechnischen Gründen alle Schlüssel, Handys, Geldbörsen usw. in den Schränken im Eingangsbereich verstaut hatten, wurden wir vom Lehrer der Haftanstalt – Herrn Holheimer – in Empfang genommen. Begleitet vom Wachpersonal wurden wir durch den alten und neuen Zellentrakt des Gefängnisses, die Freianlage und die Arbeitsstätten geführt und erfuhren viel Wissenswertes über die Geschichte des Gebäudes, aber natürlich auch über den Alltag der Strafgefangenen.

Das Gefängnisgebäude wurde ursprünglich als Sommerresidenz des Kurfürsten von der Pfalz erbaut. Erst 1786 nahm es als Zucht- und Arbeitshaus seinen Betrieb auf. Eine Vielzahl der Gebäude stammt noch aus dem 17. Jahrhundert, auch wenn eine ganze Reihe von Baumaßnahmen im Laufe der Jahrhunderte das ca. 7 ha große Areal stetig verändert haben.

Die JVA Amberg verfügt über insgesamt 562 Haftplätze, ist jedoch derzeit mit fast 50 Insassen überbelegt. Es gibt 312 Einzelzellen und 250 Gemeinschaftshaftplätze, wobei man auf eine Einzelzelle ca. ein dreiviertel Jahr warten muss.

Zum wohl beeindruckendsten Teil unserer Führung gehörte die Besichtigung der alten Zellen, die mit ein bis acht Strafgefangenen belegt sind. Die Räume wirken trist und kalt, der einzelne Häftling hat vor allem in den Gemeinschaftssälen kaum  Möglichkeiten „zum Rückzug“, eine Privatsphäre existiert quasi nicht. Die Ausstattung ist einfach und bietet keinerlei Bequemlichkeit, die Stockbetten sind am Boden fest verschraubt, Fenster mit Blick auf die „Außenwelt“ gibt es nur selten.

Seit einiger Zeit ist es den Gefangenen erlaubt, Fernsehen zu schauen, sollten diese sich jedoch nicht angemessen verhalten, so wird bereits um 22.30 Uhr der Strom abgestellt, so dass die Zellen lediglich mit einer Notbeleuchtung erhellt werden.

Ziel des Vollzuges ist es, die Insassen auf die Zeit nach der Haft vorzubereiten, auch wenn viele der Insassen (ca. 80 Prozent aller Häftlinge im Maßregelvollzug) immer wieder im Gefängnis landen. Die Haftanstalt bietet zu diesem Zweck etwa 350 Arbeitsplätze in den Anstaltsbetrieben (Bäckerei, Gärtnerei, Kfz-Betrieb, Landwirtschaft) und in den Unternehmerbetrieben, sog. Produktionsstätten der freien Wirtschaft innerhalb der Anstalt an. Zudem erhalten die Häftlinge die Möglichkeit, ihren Schulabschluss nachzuholen oder eine Aus-, Fort- bzw. Weiterbildung in einer Vielzahl von Berufen zu absolvieren. Viele der Insassen nehmen die Möglichkeit einer sinnvollen beruflichen Beschäftigung dankbar an, um zum einen der Langeweile des Gefängnisalltags zu entfliehen und zum anderen durch ihren Verdienst eine Möglichkeit zu haben, begehrte Produkte wie Kaffee, Zigaretten, Körperpflegemittel und frisches Obst im anstaltseigenen Lebensmittelgeschäft einkaufen zu können.

Ihre Freizeit dürfen die Häftlinge selbst gestalten. Die JVA bietet hierfür eine umfangreich ausgestattete und modern eingerichtete Bibliothek mit ca. 11.000 Büchern aus allen Genres, es gibt unter anderem Mal- und Modellbaukurse und eine große Palette sportlicher Aktivitäten, z.B. Basketball, Fußball und Leichtathletik, die bei den Gefangenen einen hohen Stellenwert genießen.

Daneben ist man bemüht, jeden Gefangenen individuell zu betreuen und bietet Hilfe unterschiedlichster Fachdienste an. Hierzu gehören zum Beispiel eine Drogengruppe, ein soziales Training zur Entlassungsvorbereitung und die Beratung zum Thema Partnerschaft und Ehe.

Überraschend war für uns die Tatsache, dass die Beamten zu ihrem eigenen Schutz, bis auf die Wache auf den drei Türmen der Einrichtung, keine Waffen tragen und ihre Schlüssel nur innerhalb der Gefängnismauern sperren, jedoch die letzten beiden Türen nur von außen zu öffnen sind.

Die Sicherung des Amberger Gefängnisses ist dennoch so wirksam, dass der letzte abgegebene Warnschuss und auch der letzte wenig erfolgreiche Ausbruchsversuch schon viele Jahre zurückliegen.

Nach der zweistündigen, hoch interessanten Führung endete unser Ausflug hinter die Mauern der JVA in der anstaltseigenen Kirche. Dort hatten wir die Möglichkeit, Fragen zu stellen und wurden wieder vollzählig in die schon ein wenig vermisste Freiheit entlassen.

Herzlichen Dank noch einmal an Herrn Holheimer für die hochinteressante und eindrucksvolle Führung!

Annette Heinritz

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