In Bayern verwurzelt – in Europa daheim

In Bayern verwurzelt – in Europa daheim

„In Bayern verwurzelt – in Europa daheim“, so lautete das Motto eines schulübergreifenden Projekts der FOSBOS Amberg und der FOSBOS Kelheim, welches vor kurzem im Schullandheim Gleißenberg durchgeführt wurde.

Im Wesentlichen wurden bei diesem gemeinsamen Projekt zur Mundartförderung und europäischen Werteerziehung folgende zwei Ziele verfolgt: Einerseits die Stärkung des europäischen Grundgedankens und der demokratischen Gesinnung mit Blick über den nationalen Tellerrand. Andererseits aber auch eine Besinnung auf unsere regionale Kultur, die sich nicht unwesentlich auch über unseren Dialekt definiert.

Die beiden Lehrkräfte, Andreas Fischer (FOSBOS Amberg) und Josef Irl (FOSBOS Kelheim), konnten für diese Ziele kompetente Referenten engagieren, so dass das Programm der Woche mit verschiedenen Vorträgen und Workshops sehr abwechslungsreich wurde. So wurden die Schüler zunächst allgemein mit den Grundwerten der Demokratie vertraut gemacht, ehe man auf EU-Ebene analysieren konnte, inwiefern die verschiedenen Organe arbeiten. Konkretisiert wurde das Ganze bei einem Ausflug nach Prag unter dem Aspekt der bayerisch-böhmischen Geschichte.

Dialekt ist nicht schädlich, sondern eine Bereicherung für das Sprachgefühl.

Besonders hervorzuheben in Bezug auf die Heimat-Thematik ist der Streifzug durch die 1500-jährige Geschichte der bairischen Sprache, den Horst Münzinger, Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprachen und Dialekte (FBSD), den Schülern verständlich darlegte. Dabei kam vor allem auch heraus, dass die bairischen Dialekte nicht eine minderwertige Abwandlung des Schriftdeutschen sind, sondern eine viel ältere Geschichte aufweisen und teilweise eine eigene Grammatik und eigenes Vokabular besitzen. Für die massive Bedrohung des Fortbestands der Dialekte allgemein in Deutschland seien sprachwissenschaftlich längst widerlegte Falschannahmen der 1950er-1970er Jahre verantwortlich, die noch heute nachwirken, wenn Kindern im Elternhaus oder an Schulen der Gebrauch ihrer Heimatsprache untersagt wird. Es sei mittlerweile vielfach nachgewiesen, dass die innere Zweisprachigkeit (Dialekt-Schriftsprache) förderlich für das Lernen weiterer Sprachen und das Sprachgefühl im Allgemeinen ist.

Die Schülerinnen und Schüler singen mit Gstanzln die Lehrer aus und lernen Volkstänze (Video1, Video2 und Video3).

Zwei weitere Höhepunkte der Woche waren der Kirwatanzkurs, gehalten von Alfred und Anita Merl aus Haselbach, und der Gstanzl-Workshop, den Evi Strehl vom Bayerischen Rundfunk übernahm. Ziel war dabei nicht eine klischeehafte Bayerntümelei, sondern die Kontaktaufnahme mit der Vielfalt der eigenen Kultur sowie der Aspekt der Geselligkeit.

Fazit dieser außergewöhnlich interessanten und lehrreichen Schullandheimwoche war, dass Heimatliebe und globales Denken kein Widerspruch, sondern vielmehr eine fruchtbare Synthese ergeben können.

Andreas Fischer (FOSBOS Amberg) und Josef Irl (FOSBOS Kelheim)

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