Ismail Ertug zu Gast am BSZ Amberg: "Bringt euch ein!"

Ismail Ertug: "Bringt euch ein!"

Weihnachten - das Fest der Traditionen stand vor der Tür. Umso mehr freuten sich zwei Einzelhandelsklassen der 10. Jahrgangsstufe sowie eine Klasse der 12. Jahrgangsstufe der Fachoberschule, dass der Europaabgeordnete Herr Ismail Ertug sich in gewohnter Tradition Zeit nahm, um noch kurz vor den Weihnachtsferien mit den Schülerinnen und Schülern des BSZ Amberg ins Gespräch zu kommen.

Thema waren aktuelle Fragen zur Europapolitik, die der Abgeordnete fachkompetent und glaubwürdig beantwortete, wobei sich die Schülerinnen und Schüler ganz besonders für die Zukunft der Europäischen Union interessierten.

Im Anschluss an seine Ausführungen zur EU im Allgemeinen und seinen Tätigkeiten als Politiker beleuchtete Herr Ertug noch einmal die Vor- und Nachteile der Europäischen Union  für jeden einzelnen EU-Bürger und verwies dabei auf die Reisefreiheit sowie zentrale Sicherheitsaspekte. Anschließend machte er die Unterschiede zu anderen europäischen Staaten hinsichtlich des Demokratieverständnisses, der Meinungs- und Redefreiheit, des beruflichen Vorankommens sowie des Lebensstandards deutlich und appellierte, diese Privilegien nicht leichtfertig zu verspielen bzw. diese Errungenschaften bei Jugendlichen wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken. Diese Aussagen wurden konstruktiv aber auch kontrovers über eineinhalb Stunden diskutiert.

Die Arbeit als Mitglied des Europäischen Parlaments für die Region Niederbayern und Ober­pfalz bereite ihm viel Freude, so der Parlamentarier weiter. Anders als im Bundestag werde hier mangels einer europäischen Regierung nicht in Regierung und Opposition gedacht, sondern oft gebe es in Sachfragen Kompromisse, die über das Parteienspektrum reichen. Die Gestaltungsmöglichkeiten offerierten damit ein weites Feld. Die aktuellen Entwicklungen innerhalb der EU sieht der Europa-Experte skeptisch, vor allem, dass in vielen Ländern die Rechtspopulisten und Nationalisten großen Zulauf erhalten. Den Grund dafür sieht Ertug nicht darin, dass die Menschen sich von Europa abwenden würden, sondern vielmehr, dass sie mit dem aktuellen Konstrukt nicht zufrieden seien, da viele nur auf ihren eigenen Vorteile bedacht seien. „Eigene Interessen werden über eine europäische Vernetzung gestellt“, beklagte Ertug den nationalen Egoismus, der wieder in der Politik Einzug gehalten hat.

Am Ende war Herr Ertug voll des Lobes über die guten Wortbeiträge der Schülerinnen und Schüler. Der an die Schülerschaft gerichtete Appell des Abgeordneten lautete: „Bringt euch ein!“. Damit spielte MdEP Ertug vor allem auf die Bedeutung der Wahlbeteiligung von jungen Menschen an. Als mahnendes Beispiel führte der Politiker die Entscheidung zum Brexit an. Wären dort in der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen prozentual gesehen so viele Menschen zur Wahl gegangen wie bei den älteren Wählern, so hätte der Brexit wohl abgewendet werden können.

Ein Schüler der Fachoberschule fasste die Problematik der Europäischen Union mit einem Satz nochmals zusammen und legte damit gleichzeitig uns allen ein Bestreben nahe:

„Man schätzt leider nur das wert, was man verloren hat!“

Daniel Hagn, Niels John und Johannes Mehringer

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