W. Wessely über seine Zeit an der FOSBOS vor 50 Jahren

W. Wessely über seine Zeit an der FOSBOS vor 50 Jahren

„Wenn du Ingenieur werden willst, musst du auf die FOS gehen“ oder „Erster Streik Amberger Schulgeschichte an einem Samstag“: Wolfgang Wessely berichtet über seine Zeit an der FOSBOS Amberg vor 50 Jahren

Anlässlich ihres 50-jährigen Schuljubiläums baute die FOSBOS zum Tag der offenen Tür eine Ehemaligengalerie auf. Dabei wurden die verschiedenen Lebenswege „unserer“ ehemaligen Schülerinnen und Schüler nachgezeichnet. Die FOSBOS spielte stets im Lebeeine große Rolle.

So alt wie die FOSBOS nun geworden ist, so lange ist nun auch Herrn Wolfgang Wesselys Schulzeit hier in Amberg her. Er war einer aus der ersten Klasse, ein Schüler des Anfangs der FOSBOS.

Eigentlich wollte Herr Wessely gerne Ingenieur für Nachrichtentechnik werden, da er schon als jugendlicher Hobbyfunker seine Begeisterung für Technik zum Beruf machen wollte. Doch oft verändert der Weg das Ziel, so wie bei Herrn Wessely.

Herr Wessely besuchte ursprünglich die Volksschule – heute würde man Mittelschule sagen – in Amberg. Darauf folgte die Mittlere Reife in Sulzbach-Rosenberg. Um seinem Ziel näher zu kommen, absolvierte er ein Praktikum bei Siemens. Dieses Praktikum habe ihn bis in das Berufsleben hinein geprägt, da er wichtige Grundlagen u.a. im Drehen, Schmieden, Fräsen erlernte, die er später immer wieder verwenden konnte. Er bekam einen sehr guten Einblick in das ganze Unternehmen, da nach dem „Grundpraktikum“ ein 14-tägiger Wechsel in den verschiedenen Abteilungen stattfand, die allumfassend Kenntnisse vermittelten. „Im Studium haben sich viele Studenten die praktischen Vorgänge nicht vorstellen können. Ich schon – weil ich bereits meine Erfahrungen bei Siemens gemacht hatte“, so Wessely. Dieses Grundpraktikum erinnert an die jetzige Fachpraktische Ausbildung in der 11. Klasse, in der man - genau wie damals – Einblicke in das Berufsleben und in die Praxis bekommt; eine Bereicherung für das weitere Leben.

Während des Praktikums erfuhr Herr Wessely, dass die FOSBOS in Bayern eingeführt wird und der Besuch dieser Schule Grundlage für ein Ingenieurstudium wäre. Daher wechselte er nach einem Jahr Praktikum an die FOS, wo seine Zeit an unserer Schule im Technologiezweig (dem damals einzigen Zweig der FOS) begann. Er startete direkt in der 12. Klasse, da die Praktikumszeit anerkannt wurde und hatte somit nach bereits einem Schuljahr die Fachhochschulreife in der Tasche.

Natürlich war es bis dahin auch ein spannender Weg, denn weder hatten die Lehrer irgendwelche Lehrpläne, oder alte Abschlussprüfungen, an denen sie sich orientieren konnten, noch wussten die Schülerinnen und Schüler, was sie da eigentlich machen mussten – sie hatten keinerlei Schulbücher.

Da Schüler nun mal Schüler sind, glaubten sie, dass der Grund, warum sie schlechte Note hatten, wohl der Büchermangel sei. Daher beschlossen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam zu streiken. Das Ganze wurde auch noch durch die Presse dokumentiert. So stand damals in der Zeitung „Erster Streik Amberger Schulgeschichte an einem Samstag“. Dies hatte natürlich zur Folge, dass alle Schülerinnen und Schüler wegen „unerlaubten Fernbleibens“ vom Unterricht einen Verweis bekamen. Interessant ist sicherlich auch, dass dieser Streik an einen Samstag stattfand.

Zu Beginn war die Schulzeit an der FOS zeitlich anders geregelt, als sie es heute ist. So startete sie erst um 13:00 Uhr, dauerte bis 18:00 Uhr und fand auch am Samstag Vormittag statt.

Wessely merkte an, dass diese Zeiten für einen jungen Menschen Vor- und Nachteile hatte. Gerade seine jugendlichen „Fortgehzeiten“ konnte man dadurch ausdehnen, was natürlich auch die Schlafenszeiten nach hinten schob.

Der Sprung von der Realschule an die FOS war damals schon etwas anstrengend, meinte Wessely. Besonders war dies in Mathematik und Chemie schwierig, da wäre noch Nachholbedarf gewesen. Diese Bürde würde durch die heutige Vorklasse etwas aufgefangen, dies sei eine tolle Sache.

In diesem ersten FOS-Jahrgang gab es (im Gegensatz zur heutigen Zeit) gar keine Exkursionen, Fahrten und ähnliches. Es wäre gar niemand auf die Idee gekommen, dies machen zu wollen. Alle waren voll damit beschäftigt, das Jahr einfach nur zu meistern. Und das betraf Schüler und Lehrer gleichermaßen. Auch die Abschlussfeier bestand aus keinem großen Fest. Die Zeugnisse wurden im Klassenzimmer überreicht und es war für alle in Ordnung.

Nach diesem intensiven Jahr, an das sich Herr Wessely trotz der vielen Jahre, die bereits vergangen sind, noch sehr gut erinnern kann, machte zunächst der Bund seine Ansprüche geltend. Ein Jahr lang ging Herr Wessely zur Luftwaffe und freute sich, dass er hier auch wieder mit Technik zu tun hatte. Im Unterricht fiel ihm dann auf, dass Unterrichten eigentlich das ist, was ihm richtig viel Spaß machen würde. Dazu kam, dass in den 70er Jahren eine große Ingenieurschwemme auf dem Markt war, und es in der Presse hieß, dass man als Ingenieur eher keinen Arbeitsplatz bekommen würde.

Daher entschied sich Herr Wessely letztlich gegen das lange verfolgte Ziel des Ingenieurs und veränderte seinen Weg zu einem neuen Ziel: dem Fachlehrer für Technik.

Er besuchte daher die Staatsinstitute für die Ausbildung zum Fachlehrer Technik in Nürnberg, Bayreuth und Augsburg und schloss mit einer ersten Lehramtsprüfung ab. Nach zwei Jahren Referendariat in Pirk und Sulzbach-Rosenberg endete dies mit einer zweiten Lehramtsprüfung.

Seither verbrachte er sein Lehrerdasein in der Krötenseeschule in Sulzbach-Rosenberg. Das Referendariat sei laut Herrn Wessely eine gute Zeit gewesen. Er erinnert sich sehr gerne daran. Schöner war natürlich die Zeit danach, in der er viele Projekte angestoßen hatte, in denen er Technik mit Alltag und Nutzen verbunden hatte.

Z.B. führte er an seiner Schule Schulbienen ein und erklärte seinen Schülern anhand des Einlötens der Wachsplatten in die Zarge den Stromkreislauf. Oder unterrichtete Holzverbindungen anhand des Baus der Bienenkästen.

Generell, sagt Wessely, sei das Schulsystem in Bayern sehr gut und man trifft immer wieder ehemalige Schüler der FOSBOS, die ihren Weg gemacht haben und sich bis zum Ingenieur oder Architekten hochgearbeitet hätten. Dass dies zutrifft, kann man sehr gut an der Ehemaligengalerie sehen.

Wir bedanken unser herzlich bei Herrn Wessely für seine Zeit und dass er uns hier ein Stück an seinem beeindruckenden Weg teilhaben ließ!

Auf die nächsten 50 Jahre und noch viele tolle Träume und Lebenswege, die hoffentlich über die FOSBOS zur Realität gemacht werden können!

Isolde Trepesch

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