Was macht eine selbstständige Sozialpädagogin?

Was macht eine selbstständige Sozialpädagogin?

Mitte Juni, als die Inzidenzwerte deutlich sanken, hielt Simone Böhm-Donhauser im Rahmen der Fachpraktischen Ausbildung in der Klasse FS11a der FOSBOS Amberg einen Vortrag über ihren beruflichen Werdegang.

Im Vorfeld wurde uns von unserer Klassenleitung mitgeteilt, dass Frau Böhm-Donhauser selbstständige Sozialpädagogin sei, woraufhin wir uns alle die Frage stellten „Was macht man da eigentlich?“

Zu Beginn des Vortrags berichtete sie uns von ihrer privaten und beruflichen Laufbahn. Einst war sie selbst Schülerin an der FOSBOS Amberg und stand wie jede Schülerin bzw. jeder Schüler nach der Fachhochschulreife vor der Frage, wie es denn jetzt eigentlich weiter geht. Neben dem Wunsch zu studieren, hatte sie zur damaligen Zeit auch die Möglichkeit, den Handwerks-Betrieb ihrer Familie zu übernehmen.

Sie berichtete, dass ihre Intuition sie schließlich aber doch zur Entscheidung brachte, das Studium für soziale Arbeit anzutreten. Ihr Praxissemester absolvierte sie schließlich im Jugendzentrum Klärwerk in Amberg, wo ihr 2001 letztlich eine Stelle angeboten wurde, bei der sie gleichzeitig studieren und arbeiten könne. Nach Abschluss ihres Studiums erhielt sie den Titel Diplom-Sozialpädagogin. Jedoch bemerkte sie schnell, dass sie in ihrer Position als Angestellte eigentlich nicht glücklich war. Aufgrund ihrer Faszination für Zahlen entschied sie sich damals, parallel zum Beruf eine Zusatzausbildung im Finanzsektor zu machen.

2002 bis 2003 unterrichtete sie in Zusammenarbeit mit dem Kolpingwerk in Amberg sowohl Jugendliche ohne Schulabschluss als auch Jugendliche mit Schulabschluss, um diese innerhalb eines Unterrichtsjahres auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. 2003 erhielt sie als frisch gebackene Mama ein Stellenangebot einer Betreuungsstelle und ihr wurde schnell bewusst, dass das ihre vorerst einzige Chance auf berufliche Selbstständigkeit war, weshalb sie dem Angebot zustimmte und begann, dort als selbstständige Sozialpädagogin zu arbeiten.

Neben der Besetzung etlicher Ämter, wie der Posten im Verwaltungsrat des Klinikums Amberg oder die Mitgliedschaft im Verbandsrat der Sparkasse, arbeitet Simone Böhm-Donhauser heute als selbstständige Sozialpädagogin im Bereich der rechtlichen Betreuung. Rechtliche Betreuung? Als Sozialpädagogin? All das ging uns durch den Kopf, als wir diese Berufsbeschreibung das erste Mal hörten. Schnell erklärte Frau Böhm-Donhauser jedoch welche Tätigkeiten, die sich hinter dieser Bezeichnung verbergen. Sie wird eingeschaltet, wenn Personen sich nicht mehr selbst um ihre Rechtsgeschäfte kümmern können und niemand aus dem Verwandtenkreis die Betreuung übernehmen kann bzw. will. Ihr Berufsalltag beinhaltet verschiedene Aktivitäten, von Bürotätigkeiten und Hausbesuchen bei den Klienten bis hin zur Anordnung und Betreuung von Unterbringungen (Unterbringungsverfahren gegen den Willen des Betreuten, wenn sein Leben gefährdet ist).

Simone Böhm-Donhauser hat also die Aufgabe, ihre Klienten in verschiedenen Bereichen ihres Lebens rechtlich zu vertreten, wobei ihr Auftraggeber die Betreuungsbehörde der Stadt Amberg bzw. des Landkreises ist. Die Betreuung eines Klienten findet maximal sieben Jahre statt. Nach diesen sieben Jahren wird dann ein neues Gutachten erstellt, welches bestimmt, ob die Betreuung fortgeführt werden soll oder nicht. Sie ist zuständig für die Betreuung von Klienten aller Altersklassen, „von 18 bis 97 Jahren ist alles dabei“, so Böhm-Donhauser. Ebenso berichtete sie, dass sie mit ihrem gesamten Privatvermögen haftet und deshalb auf viele Zusatzversicherungen angewiesen ist und dass es durchaus schon vorgekommen sei, dass Übergriffe im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit stattgefunden haben. Nach dem Beantworten einiger Fragen wurde schnell klar, dass die rechtliche Betreuung in enger Zusammenarbeit mit weiteren ambulanten Sozialdiensten steht und den Klienten dadurch die größtmögliche Stabilität und Sicherheit geboten werden kann.

Von ihrem Beruf voll und ganz überzeugt, erzählte sie uns, dass er neben dem engen Kontakt mit den Klienten auch noch viele Freiheiten bietet. Sie hat die Möglichkeit, ihre Woche selbst zu terminieren. Alles in allem war es sehr spannend, Simone Böhm-Donhauser und ihren doch eher ungewöhnlichen, aber sehr spannenden Beruf kennenlernen zu dürfen.

Noa Härlin, FS11a

Zurück